IG-Gartenfreunde e.V.
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Staude des Jahres 2018

Eine persönliche Begegnung

Jedes Jahr kürt der Bund Deutscher Staudengärtner eine Staude zur Pflanze des Jahres. In diesem Jahr fiel die Wahl auf die vielseitige Taglilie, die Hemerocallis.

Zu meiner ersten Taglilie gehörte die sogenannte Eisenbahnerlilie oder Bahnwärterlilie. Es ist die Taglilie, die fast überall zu finden ist. Sie heißt so, weil sie früher von den Eisenbahnern an den heißen Bahndämmen kultiviert wurde, die dort ein Plätzchen zum Gärtnern gefunden hatten. Für die Fachleute ist es die Hemerocallisfulva.

Meine Nachbarin schenkte mir eine, weil sie in ihrem Garten üppig wuchs. Wann schenkt man sich gegenseitig Pflanzen? Wenn Sie gut gedeihen und man gut was von ihr erübrigen kann oder sie sogar begrenzen muss. Als Pflanzenliebhaberin kommt sie dann nicht auf den Kompost sondern in die Gärten von Gartenneulingen. Wer macht das nicht ebenso?

Ich muss zugeben, besonders schön fand ich das braunorange der Blüten ja nicht, aber immerhin sie blühte unter schwierigen Verhältnissen: wenig Sonne, schlechter Boden. Hier und da sah ich gelbe Sorten und in einem Garten in Speicher wunderbare in allen Formen und Farben. Ein Besuch 2003 in Quebec an der US-amerikanischen Grenze bei meiner Freundin führte mich zu einem Züchter und Vermehrer und ich war überwältigt! Da ich keine mit nach Hause nehmen konnte, musste meine Freundin eine für ihr dunkles Hinterhofgärtlein in Montreal bekommen. Es müsste H. ´Siloam Nuggets´ gewesen sein und letztes Jahr sah ich sie wieder: Freundin und die Taglilie jetzt auf einem wunderbaren Gelände wieder in der Nähe der Grenze zu USA. Sie hat sie mitgenommen bei ihrem Umzug und sie behauptet sich in einem wilden Stück Land um ihr Haus herum.

Da mein häufigstes Kriterium für die Pflanzenwahl der Duft ist, wurde ich bei Hemerocallis fündig. Gespräche und ein bisschen Lesen hier und da führte mich zu den Katalogen der Gräfin Zeppelin. In 2004 und in 2006 standen größere Bestellungen an. So habe ich eine Menge gelbe Taglilien, die sich in Form, Blühzeit, Blühfülle und Wuchsfreudigkeit unterscheiden. Aber alle duften sie. `Stoplight´ hat spinnenförmige Blütenblätter, `Butterpat´ ist so niedlich klein und `minor´ ist eine grasige Wildform. Und dann die vielen von dem Züchterehepaar Tamberg aus Berlin, die in der Gesellschaft der Staudenfreunde gds aktiv sind. Dort gibt es für FreizeitgärtnerInnen auch eine entsprechende Fachgruppe. In meinem „von gelb nach blau Beet“ stehen auch etliche in verschiedenen gelb, orange, rosa und rot Tönen. Meine letzten Erwerbungen bekam ich von einem privaten Vermehrer im Münsterland anlässlich einer Gartenreise mit meiner Hostafachgruppe.

Die Hemerocallis sind einfach da in meinem Garten. Ich erfreue mich, wenn sie erblühen. Die fulva hab ich rausgeschmissen, aber irgendein Trieb ist immer wieder da. Die `Canadian BorderPatrol´ liebe ich nicht nur wegen ihren Namens (s.o.). Sie ist gerüscht, hat einen grünen Schlund einen tiefroten Mund (man nennt es aber Auge) und ein cremefarbenes Kleid mit dunkelrotem Saum. (Hätte sie nicht besser einen anderen Namen verdient?)

Hemerocallis sind sehr anspruchslos und brauchen wenig Pflege. Auch die Lichtverhältnisse dürfen suboptimal sein. Klar, die langen Trockenperioden der letzten Sommer waren nicht sehr förderlich für üppiges Wachstum. Aber sie haben es ausgehalten. Sie bekommen bei mir Kompost oder Mist, was gerade da ist und ich putze je nach Zeitbudget Verblühtes aus. Was ich aber nicht täglich habe, denn die Taglilie heisst Taglilie, weil die Blüte nur einen Tag lang hält. Keine Sorge, es sind viele Einzelblüten an einem Stängel und so hat man lange etwas davon. Auch kann man die Blühzeit von Taglilien je nach Sorten über einen langen Zeitraum streuen von Juni bis weit in den September hinein.

Taglilien sind Prachtstauden, die ähnlich wie Hosta, Heuchera oder auch Sempervivum und viele andere Arten Laien und Fachleute zu echten Freaks werden lassen. Die züchterische Bearbeitung von ca 20 Wildarten aus Ostasien haben abertausende Sorten entstehen lassen und in der Baumarktgartenabteilung findet man mittlerweile mehr als nur die `Bitsy´, leider dann oft Namenlose aber mit hübschemBlüten auf dem Schild. Meine ca 40 Sorten können Sie im Sommer in meinem Garten bewundern. Nehmen Sie dafür Kontakt zu mir auf über den Programmflyer der IG Gartenfreunde.

Uta Mieden

Für mich soll's Rosen regnen...

Eigentlich heißt es ja, es soll rote Rosen regnen – aber leider passen die nicht ganz in mein Gartenfarbschema. Meine große Rosenleidenschaft sind die sogenannten historischen Rosen. Was bedeutet das genau? Diese Rosen sind laut Definition bereits vor 1867 kultiviert worden und zeichnen sich meist durch einen wunderbar intensiven Duft aus. Sehr viele dieser Rosen remontieren nicht, d.h. sie blühen nur einmal, dafür aber oft für mehrere Wochen. Es gibt allerdings auch einige, die mehrmals blühen – dann allerdings meist nicht mehr so spektakulär wie in der Hauptblüte. Diese wurden dann ab Ende des 1800 Jahrhunderts gezüchtet. Die meist schalenförmigen Blüten haben die Farben Weiß, Rosa, Pastell oder Purpur und sind dicht gefüllt. Die Sträucher sind meistens kompakt. Aber das Highlight ist und bleibt für mich der Duft.

Was ist der Reiz dieser Rosen? Zum einen sind die meisten gar nicht so kompliziert, viele benötigen nur einen leichten Rückschnitt nach der Blüte um den Strauch in Form zu halten. Dann sind sie auch sehr robust – der späte Frost in diesem Jahr hat meinen alten Rosen überhaupt nichts ausgemacht. Die meisten von ihnen sind schöne große Büsche, bei mir auch nicht anfällig für die diversen Rosenkrankheiten wir Sternrußtau oder Mehltau. Aber das kann auch an der Lage meines Gartens liegen, hier weht immer ein Lüftchen.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, ab wann ich den historischen Rosen verfallen bin, es ist auf jeden Fall unheilbar…. Angefangen hatte es mit der Rose de Resht (1880), einer Damaszenerrose, die auch mehrmals blüht. Eine wunderbare Farbe, beschrieben mit Purpurrot und natürlich diesem wunderbar intensiven Duft. Eine richtige Anfängerrose. Damaszenerrosen wurden früher auch zur Rosenölherstellung genutzt.

Dazu kam eine Moosrose Salet (1854), die auch öfterblühend ist und eine wirklich tolle Rose. Der Duft ist frisch und intensiv, die Rose hat ein sog. Auge und ist einfach nur wunderschön. An Moosrosen ist halt dieser würzige Duft der Öldrüsen, die die Blüte und den Stängel wir bemoost aussehen lassen, das besondere I-Tüpfelchen.

Eine meiner großen Lieblinge, und das kann man wörtlich nehmen, ist die Variegeta di Bologna. Diese Rose ist sicherlich 1,80 hoch und fast genauso breit. Wunderbare weiß-rosa gestreifte Blüten, über den Duft muss ich ja nichts mehr schreiben – einfach nur typisch alte Rose.

Aus diesen ersten Rosen ist jetzt eine kleine Sammlung entstanden, im Juni ist der Garten ein Blütenmeer und bei Windstille hängt darin dieser betörende Rosenduft , der einen umfängt – was will das Gärtnerinnenherz mehr?

Mit diesem Beitrag will ich die Angst vor Rosen nehmen und eine Lanze brechen für die Rosen, die halt nicht im Standardsortiment der Gartencenter sind. Es gibt tolle Rosenhändler, über die man viele dieser alten Schätze im Internet kaufen kann – da beziehe ich auch die meisten meiner Rosen. Und wer einmal von dem Virus befallen wurde, kommt nicht mehr davon los.

Barbara Schramm

"Moderne Rosen"

Die Zeit der "Modernen Rosen" beginnt im Jahr 1867 mit der Edelrose "La France", der 1. Teehybride. In Frankreich ist es gelungen, eine winterharte, remontierende (dauerblühende) Rose zu züchten, die gleichzeitig die Eleganz der alten Rosen hat.

Eine besondere Rolle in der Entwicklung der Rose spielte Anfang des 19. Jahrhunderts die Gattin Napoleons, Kaiserin Joséphine, die in ihren Anwesen bei Paris, "Malmaison", die erste und größte Rosensammlung der Geschichte besaß. Frankreich entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Zentrum der Rosenkultur. Um Paris setzte rege Züchtertätigkeit ein:  die empfindlichen farbenfrohen asiatischen Rosen, blütenreich und lange blühend,  wurden mit den abgehärteten alten europäischen Rosen gekreuzt. Es entstanden immer mehr Sorten. Sie ergänzten Joséphines Sammlung.  Die Kaiserin hatte damit das Interesse für Rosen in der Gartenkultur geweckt.
Beim Erwerb von "Malmaison" gab es in Europa ca. 40 Rosensorten - am Ende blühten dort über 250 Sorten.
Gute Zuchtergebnisse erreichte auch ein Mann aus unserer Region: Peter Lambert aus Trier. Auch er war es, der um 1900 den Vorschlag unterbreitete, ein Rosarium anzulegen, zur Sammlung alter, vom Aussterben bedrohter Sorten. Es eröffnete 1903 in Sangerhausen und beherbergt die größte Rosensammlung der Welt.
Rege Züchtertätigkeit herrschte natürlich auch im 20. Jahrhundert mit dem Ziel, Sorten zu erreichen, die weitestgehend gegen Pilzkrankheiten, zum Beispiel Sternrußtau, resistent sind.

Brunhilde Gorges

Pflege der Rosen

Rosen fühlen sich an einem sonnigen, luftigen Standort,  auf humosem,  leicht lehmigen Boden besonders wohl. Die Sortenauswahl entscheidet den Pflegeaufwand. Es empfiehlt sich, beim Kauf auf das "ADR"- Qualitätssiegel zu achten. Die beste Pflanzzeit ist der Herbst. Ich bevorzuge wurzelnackte Pflanzen statt Containerware.

Im zeitigen Frühjahr (März) wird die Pflanzfläche mit einem organischen Dünger, z.B. Kompost, ausreichend versorgt. Man kann natürlich auch einen mineralischen Dünger nach Angaben auf der Verpackung verwenden. Im April, zur Zeit der Forsythienblüte, werden die Rosen geschnitten und langsam abgehäufelt. Alte, kranke und erfrorene Triebe werden immer entfernt, auch das Schnittgut und heruntergefallene Blätter sollten aufgesammelt und in der Mülltonne entsorgt werden. Man beachte die Gefahr der Krankheitsübertragung. Ggf. müssen Spritzmittel (z.B. Fungizide) etc. zum Einsatz kommen, sollte (wetterbedingt) ein zu starker Befall der typischen Pilzkrankheiten auftreten, was zu Blattfall führen würde.

Eine Nachversorgung mit Nährstoffen erfolgt im Sommer, jedoch nicht mehr später als Mitte/Ende Juli, damit die Triebe noch reichlich Winterhärte erlangen können und nicht noch durch Stickstoffgaben zum Wachsen angeregt werden. Später kann man allenfalls noch eine Kaliumdüngung verabreichen; Kalium fördert die Winterhärte. Der Sommerschnitt beinhaltet immer das Abschneiden des Verblühten unter dem zweiten fünfteiligen Blatt. Dann hat die Blume weniger Probleme, erneut zur Blüte zu kommen.

Ende Oktober werden die Rosen angehäufelt; hauptsächlich die Veredelungsstelle muss geschützt werden. Selbst, wenn der Rest der Rose stark zurück friert, kann daraus der Neuaustrieb im nächsten Frühjahr erfolgen. Je nach Standort können zusätzlich Tannenzweige als Winterschutz verwendet werden.

Es versteht sich von selbst, dass der Boden regelmäßig gehackt und Unkraut entfernt werden soll. Rosen vertragen auch keine Konkurrenz; das heißt: keine Unterpflanzungen von z.B. Bodendeckern.

Viel Spaß mit Ihren Rosen!

Brunhilde Gorges