IG-GARTENFREUNDE e.V.
Gisela Rommelfanger
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Schneeglöckchen, Snowdrops, Galanthus

Liebe Leserinnen und Leser

Schneeglöckchen sind mit die ersten Freuden der Gärtnerin im Jahreslauf. In diesem Jahr spitzen einige schon Ende Januar hervor im Fast-Weinbau-Klima am Ende des Konzer Tälchens. Ach was sage ich, eines war schon im Dezember da: Es war Galanthus plicatus `Barnes´, das ich bei den Schneeglöckchentagen im Luisenpark in Mannheim letztes Jahr erstanden hatte. Und tatsächlich, es gibt Schneeglöckchen, die im Herbst blühen! Bei einem in meinem Garten, von dem ich es genau wusste, dass es im Herbst blühen sollte, wartete ich vergeblich. Es ist Galanthus reginae olgae.

Foto von Uta Mieden

Doch eigentlich sind die Schneeglöckchen die allerallerersten Frühlingsboten. Vor zwei Jahren nahm ich an einer Schneeglöckchenreise nach England teil und ich lernte viele Menschen kennen, die den Schneeglöckchen regelrecht verfallen waren. Es sind die Galantophilen, die SchneeglöckchenliebhaberInnen. Ich wehrte mich mit Händen und Füßen gegen diese Sucht und trotzdem haben auch in meinem Garten schon viele Glöckchen Einzug gehalten. Zuerst wollte ich mich einfach nur auf einige Arten aus der Gattung der Schneeglöckchen beschränken: Galanthus elwesii, die Großblütigen aus der Türkei, G. woronowii mit den grünen Blättern, oder G. plicatus mit den grauen, gefalteten Blättern … Und auf einem Schneeglöckchenmarkt, bei dem es dicht gedrängt und hektisch um die schönsten, besten, teuersten Exemplare ging, erstand ich mir eine wunderschöne Sorte, die nach zwei Jahren jetzt drei wunderschöne, dicke Blüten hat: Galanthus plicatus `Diggory´. Der Händler erzählte mir eine kleine Anekdote von einer Lady, die diese Sorte vor ein paar Jahren für 150 Pfund erstand und dass sie das vor ihrem Ehemann verheimlichen musste. Ich konnte sie für 15 Pfund kaufen, was für ein Preisverfall!!! Und wirklich verrückt.

Die sogenannten einheimischen Galanthus nivalis und die meines Wissens daraus spontan mutierte Sorte Galanthus nivalis `Flore Pleno´, bilden in meinem Garten mittlerweile recht ansehnliche Tuffs.

Wichtig für sie ist, dass sie am Gehölzrand unter Büschen stehen und im Herbst/Winter unter einer Laubschicht ausharren können. Vom Habitus sehen sie sehr unterschiedlich aus: zart und schüchtern das eine, breit und mit einem rüschigen Unterrock das andere. Bei dem einen sehen die Blüten aus wie Tropfen (Snowdrops) und bei dem anderen wie aufgespannte Schirmchen: Die äußeren Blütenblätter müssen sich arg nach oben drücken lassen, damit die zahlreichen inneren sich aufplustern können.

Die inneren Blütenblätter sind des Züchters Zielobjekt. Dort werden Farben und Formen ausgelesen, die die Schneeglöckchen bei Sammlern so beliebt machen. Die grünen Zeichnungen bergen eine so große Vielfalt: von komplett grün bis punktiert, ein V, ein Herz, beides auf dem Kopf, zwei Augen, und vieles mehr. Eine Sorte heißt `Grumpy´: da sieht die Zeichnung aus wie ein grimmiges Gesichtchen. Die hätte ich noch gern – ist aber zu teuer! Werde ich doch noch galanthophil?

Foto von Uta Mieden
Foto von Uta Mieden


Aber auch die äußeren Blütenblätter können variieren: dass große Schalen daraus werden (wie bei `Diggory´), dass auch sie einen Hauch von grün aufweisen (`Viridapice´), dass sie eher länglich sind (`S. Arnott´). Dann kommt noch der Fruchtknoten, den wir als grau-grün kennen bei unseren einheimischen. Es gibt welche, die schön grün sind aber auch, die gelb sind (`Madelaine´) und die finde ich sehr bezaubernd.

Schneeglöckchen angucken ist eine sportliche Angelegenheit, man muss sich tief bücken. Abhilfe schafft ein kleiner Spiegel am Teleskopstab. So kann man den Glöckchen bequem unters Röckchen schauen.

Sind Schneeglöckchen einheimisch? Alle Arten kommen aus den südöstlichen Räumen Europas und aus Kleinasien. Galanthus nivalis hat schon im Mittelalter Einlass in unsere Gärten gefunden. Sie sind von dort ausgebüchst oder wie ich bei meinen Wanderungen oft sehe, sie sind mit Gartenboden und Schutt einfach irgendwo an Waldwegen abgekippt worden und vermehren sich dort ungestört.

Uta Mieden

Foto von Uta Mieden
Foto von Uta Mieden

Für mich soll's Rosen regnen...

Eigentlich heißt es ja, es soll rote Rosen regnen – aber leider passen die nicht ganz in mein Gartenfarbschema. Meine große Rosenleidenschaft sind die sogenannten historischen Rosen. Was bedeutet das genau? Diese Rosen sind laut Definition bereits vor 1867 kultiviert worden und zeichnen sich meist durch einen wunderbar intensiven Duft aus. Sehr viele dieser Rosen remontieren nicht, d.h. sie blühen nur einmal, dafür aber oft für mehrere Wochen. Es gibt allerdings auch einige, die mehrmals blühen – dann allerdings meist nicht mehr so spektakulär wie in der Hauptblüte. Diese wurden dann ab Ende des 1800 Jahrhunderts gezüchtet. Die meist schalenförmigen Blüten haben die Farben Weiß, Rosa, Pastell oder Purpur und sind dicht gefüllt. Die Sträucher sind meistens kompakt. Aber das Highlight ist und bleibt für mich der Duft.

Was ist der Reiz dieser Rosen? Zum einen sind die meisten gar nicht so kompliziert, viele benötigen nur einen leichten Rückschnitt nach der Blüte um den Strauch in Form zu halten. Dann sind sie auch sehr robust – der späte Frost in diesem Jahr hat meinen alten Rosen überhaupt nichts ausgemacht. Die meisten von ihnen sind schöne große Büsche, bei mir auch nicht anfällig für die diversen Rosenkrankheiten wir Sternrußtau oder Mehltau. Aber das kann auch an der Lage meines Gartens liegen, hier weht immer ein Lüftchen.

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, ab wann ich den historischen Rosen verfallen bin, es ist auf jeden Fall unheilbar…. Angefangen hatte es mit der Rose de Resht (1880), einer Damaszenerrose, die auch mehrmals blüht. Eine wunderbare Farbe, beschrieben mit Purpurrot und natürlich diesem wunderbar intensiven Duft. Eine richtige Anfängerrose. Damaszenerrosen wurden früher auch zur Rosenölherstellung genutzt.

Dazu kam eine Moosrose Salet (1854), die auch öfterblühend ist und eine wirklich tolle Rose. Der Duft ist frisch und intensiv, die Rose hat ein sog. Auge und ist einfach nur wunderschön. An Moosrosen ist halt dieser würzige Duft der Öldrüsen, die die Blüte und den Stängel wir bemoost aussehen lassen, das besondere I-Tüpfelchen.

Eine meiner großen Lieblinge, und das kann man wörtlich nehmen, ist die Variegeta di Bologna. Diese Rose ist sicherlich 1,80 hoch und fast genauso breit. Wunderbare weiß-rosa gestreifte Blüten, über den Duft muss ich ja nichts mehr schreiben – einfach nur typisch alte Rose.

Aus diesen ersten Rosen ist jetzt eine kleine Sammlung entstanden, im Juni ist der Garten ein Blütenmeer und bei Windstille hängt darin dieser betörende Rosenduft , der einen umfängt – was will das Gärtnerinnenherz mehr?

Mit diesem Beitrag will ich die Angst vor Rosen nehmen und eine Lanze brechen für die Rosen, die halt nicht im Standardsortiment der Gartencenter sind. Es gibt tolle Rosenhändler, über die man viele dieser alten Schätze im Internet kaufen kann – da beziehe ich auch die meisten meiner Rosen. Und wer einmal von dem Virus befallen wurde, kommt nicht mehr davon los.

Barbara Schramm

Schwarzer Holunder

Den heimischen Strauch ˈsambucus nigraˈ schätzten schon die Germanen als heilige Pflanze, die Haus und Hof beschützte.

Es gab eine Zeit, da mochte ich Holunder nicht. Eine reale Begründung dafür gab es nicht. Glücklicherweise hat sich das Blatt gewendet in totale Begeisterung. Und lange hat es gedauert, bis ein Holunderstrauch in unseren Garten fand. Ich könnte sagen, unser Garten ist klein, ist zu voll. Jedoch heute ist das nur eine Ausrede. Für mich gehörte er stets in die freie Natur. Als dann ein alter Baum zusammenfiel, hatten wir den idealen Platz für unseren Holunderstrauch.

Den inzwischen stattlichen Strauch müssen wir in jedem Jahr zurückschneiden, denn unser Garten ist nicht groß genug für alle Wünsche. Aber der Schönheit und dem Nutzen tut diese Tatsache keinen Abbruch. Zumal der Rückschnitt genutzt werden kann als Brutröhrchen inklusive Nahrung für die Wildbienen. Die Blüten und Früchte teilen wir mit den Vögeln. Wir haben mit diesen ein Abkommen, dass es nur in jedem zweiten Jahr viele Früchte gibt. Denn ein Jahr ernten wir die Blütendolden – nur einige wenige lassen wir ausreifen - im anderen Jahr die Früchte. Ergänzen möchte ich, dass die Blüten nicht nur von mir sehr begehrt sind, auch die Insekten laben sich daran.

Hollunder, Foto von Gisela Rommelfanger

Im Jahr der Blütendolden stelle ich leckeren Holunderblütensirup her, und auch einige Gläser Holunderblütensirup. Fällt die Ernte zu gering aus, wird sie in der freien Natur ein wenig aufgestockt, ohne die Büsche kahl zu pflücken. Einige wenige Dolden müssen für Hollerküchlein herhalten, Holunderblütendolden durch Teig gezogen und ausgebacken - eine Köstlichkeit. Wenn es genügend Früchte im Garten und an den Feldrändern gibt, kochen wir Holundersaft und Holundergelee.

Holunderblütensirup

  • 25 Blütendolden
    über Nacht auf einem weißen Tuch draußen, z.B. auf einem Tisch, idealerweise überdacht, ausbreiten. Die kleinen schwarzen Insekten in den Dolden krabbeln freiwillig ins Freie. So müssen die zarten Blüten nicht gewaschen werden. Danach diese in ein Gefäß füllen.
  • 1 kg Zucker in
  • 1 l Wasser erhitzen bis er sich aufgelöst hat (Läuterzucker). Über die Dolden gießen, mit
  • 2 in Scheiben geschnittenen Limetten bedecken.
  • Zugedeckt 24 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. Die Flüssigkeit durch ein Sieb mit eingelegtem Mulltuch ablaufen lassen, erhitzen und in Flaschen abfüllen.

Gisela Rommelfanger

"Moderne Rosen"

Die Zeit der "Modernen Rosen" beginnt im Jahr 1867 mit der Edelrose "La France", der 1. Teehybride. In Frankreich ist es gelungen, eine winterharte, remontierende (dauerblühende) Rose zu züchten, die gleichzeitig die Eleganz der alten Rosen hat.

Eine besondere Rolle in der Entwicklung der Rose spielte Anfang des 19. Jahrhunderts die Gattin Napoleons, Kaiserin Joséphine, die in ihren Anwesen bei Paris, "Malmaison", die erste und größte Rosensammlung der Geschichte besaß. Frankreich entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Zentrum der Rosenkultur. Um Paris setzte rege Züchtertätigkeit ein:  die empfindlichen farbenfrohen asiatischen Rosen, blütenreich und lange blühend,  wurden mit den abgehärteten alten europäischen Rosen gekreuzt. Es entstanden immer mehr Sorten. Sie ergänzten Joséphines Sammlung.  Die Kaiserin hatte damit das Interesse für Rosen in der Gartenkultur geweckt.
Beim Erwerb von "Malmaison" gab es in Europa ca. 40 Rosensorten - am Ende blühten dort über 250 Sorten.

Gute Zuchtergebnisse erreichte auch ein Mann aus unserer Region: Peter Lambert aus Trier. Auch er war es, der um 1900 den Vorschlag unterbreitete, ein Rosarium anzulegen, zur Sammlung alter, vom Aussterben bedrohter Sorten. Es eröffnete 1903 in Sangerhausen und beherbergt die größte Rosensammlung der Welt.
Rege Züchtertätigkeit herrschte natürlich auch im 20. Jahrhundert mit dem Ziel, Sorten zu erreichen, die weitestgehend gegen Pilzkrankheiten, zum Beispiel Sternrußtau, resistent sind.

Brunhilde Gorges

Pflege der Rosen

Rosen fühlen sich an einem sonnigen, luftigen Standort,  auf humosem,  leicht lehmigen Boden besonders wohl. Die Sortenauswahl entscheidet den Pflegeaufwand. Es empfiehlt sich, beim Kauf auf das "ADR"- Qualitätssiegel zu achten. Die beste Pflanzzeit ist der Herbst. Ich bevorzuge wurzelnackte Pflanzen statt Containerware.

Im zeitigen Frühjahr (März) wird die Pflanzfläche mit einem organischen Dünger, z.B. Kompost, ausreichend versorgt. Man kann natürlich auch einen mineralischen Dünger nach Angaben auf der Verpackung verwenden. Im April, zur Zeit der Forsythienblüte, werden die Rosen geschnitten und langsam abgehäufelt. Alte, kranke und erfrorene Triebe werden immer entfernt, auch das Schnittgut und heruntergefallene Blätter sollten aufgesammelt und in der Mülltonne entsorgt werden. Man beachte die Gefahr der Krankheitsübertragung. Ggf. müssen Spritzmittel (z.B. Fungizide) etc. zum Einsatz kommen, sollte (wetterbedingt) ein zu starker Befall der typischen Pilzkrankheiten auftreten, was zu Blattfall führen würde.

Eine Nachversorgung mit Nährstoffen erfolgt im Sommer, jedoch nicht mehr später als Mitte/Ende Juli, damit die Triebe noch reichlich Winterhärte erlangen können und nicht noch durch Stickstoffgaben zum Wachsen angeregt werden. Später kann man allenfalls noch eine Kaliumdüngung verabreichen; Kalium fördert die Winterhärte. Der Sommerschnitt beinhaltet immer das Abschneiden des Verblühten unter dem zweiten fünfteiligen Blatt. Dann hat die Blume weniger Probleme, erneut zur Blüte zu kommen.

Ende Oktober werden die Rosen angehäufelt; hauptsächlich die Veredelungsstelle muss geschützt werden. Selbst, wenn der Rest der Rose stark zurück friert, kann daraus der Neuaustrieb im nächsten Frühjahr erfolgen. Je nach Standort können zusätzlich Tannenzweige als Winterschutz verwendet werden.

Es versteht sich von selbst, dass der Boden regelmäßig gehackt und Unkraut entfernt werden soll. Rosen vertragen auch keine Konkurrenz; das heißt: keine Unterpflanzungen von z.B. Bodendeckern.

Viel Spaß mit Ihren Rosen!

Brunhilde Gorges

Rosarium Uetersen, Foto von Dagmar Weber